
Ein weiteres signifikantes Beispiel für
diesen Glastyp fand Poser im Museum
für Kunst und Gewerbe Hamburg. Auch
hier wird als Entstehungsort Deutschland
angegeben. (Abb. 21) 9
Zur Eingrenzung des Entstehungsortes
gibt uns ein zum Flaschentyp passendes
Glasstück, das bei Erdarbeiten in der
Potsdamer Innenstadt in der Henning v.
Tresckowstraße. gefunden wurde, einen
weiteren wichtigen Hinweis. (Abb. 22)
Dass bereits Kunckel mit derartigen
„Federmustern“ experimentiert hat wird
durch Glasfragmente von der
Pfaueninsel belegt ( Abb. 23)
Mit den neu gewonnenen Erkenntnissen
wäre der Zusatz zum Entstehungsort
„vielleicht Potsdam" durchaus nicht
falsch. Die Funde belegen, dass
opalisierende bzw. Milchglasgefäße mit
gezogenen Federmustern zum Repertoire
der Potsdamer Hütte gehörten.
Zwei weitere Scherben mit gleichem
Material- und Farbaufbau zeigen breite
eckige Muster. Der Scherben mit dem breiten blauen Streifen ist konkav, das heißt mit
der Schauseite nach innen gewölbt. Als fertiges Erzeugnis wäre somit ein Teller oder
eine flache Schale vorstellbar. Das kleinere Glasstück (konvex gewölbt) muss auf
jeden Fall als Hüttenabfall angesprochen werden, da auf der Rückseite sieben lange
Risse das Glas unbrauchbar machten. Was daraus hergestellt werden sollte, muss
unbeantwortet bleiben.
Abb. 24 zeigt ein kleines Flaschenhalsstück aus „klassischem" Milchglas mit roter
und blauer Marmorierung. Die daneben abgebildete Flasche ist, wie alle ihre vielen
Schwestern, süddeutsch. (Abb. 25) 10 Der nebeneinander gestellte Vergleich der
Halspartie von Flasche und Scherben zeigt, dass genau solche Flaschen auch in
Potsdam hergestellt wurden. Die erheblichen Qualitätsmängel im Milchglas und die
noch schartige Oberfläche - beides auf dem Foto nur schwer zu erkennen -
degradieren das Glasstück als Hüttenabfall, bestätigen damit aber eine Potsdamer
Provenienz. Nur minimale Milchglasschlieren komplettieren die Farbenvielfalt eines
weiteren, ansonsten dunkleren Flaschenhalses. (Abb. 26) Die in der Draufsicht nur
opak erscheinende Marmorierung zeigt in der Gegenlichtaufnahme, dass neben vielen
blauen Schattierungen helles Rubinrot zur Farbgestaltung verwendet wurde. Auf
Grund der grob strukturierten Oberfläche geht der Verfasser davon aus, dass die
Flasche noch unfertig zu Bruch ging. Wie sie ausgesehen haben mag, ist nur zu
erahnen.
Abbildung 21 Höhe 19,5 cm Museum für Kunst und
Gewerbe Hamburg